“besser lesen”: Die Literatursendung im SWR

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Buchpräsentationen und Literaturgespräche haben sich mit dem legendären „Literarischen Quartett“, mit Elke Heidenreichs „Lesen!“ oder mit Denis Schrecks „Druckfrisch“ einen festen Platz im öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm gesichert. Wurde und wird in allen diesen Sendungen vornehmlich Belletristik, bisweilen Lyrik und hin und wieder auch ein Sachbuch vorgestellt, so ist „besser lesen“ das erste und bislang einzige Format, das sich ausschließlich Sachbüchern widmet. Die Menschen dazu anzuregen, anstelle von Krimis und Romanen auch einmal informative Literatur zur Hand zu nehmen und sich Wissen über die nationale und internationale Politik, über historische Persönlichkeiten, über zeitgeschichtliche Themen oder über fremde Kulturkreise anzueignen: Das ist das erklärte Anliegen von „besser lesen“.
Ihre Premiere erlebte die vom Südwestrundfunk produzierte Sendung am 6. Juni 2008. Das Konzept, die Auswahl der präsentierten Bücher und die Moderation lagen von Anfang an in den Händen des Fernsehjournalisten und langjährigen SWR-Redakteurs Walter Janson. Dreißig Minuten Sendezeit nimmt er sich, um seine Zuschauer über zwei Neuerscheinungen zu informieren. Das können rege diskutierte Bücher oder aber Geheimtipps sein. Im Dialog mit den Autoren und Autorinnen geht es einerseits um deren individuellen Zugang zum jeweiligen Stoff. Wie sind sie auf ihr Thema gekommen? Und was hat sie daran begeistert? Andererseits drehen sich die Gespräche um wissenschaftliche Hintergründe, neue Erkenntnisse und direkte Bezüge zum Hier und Jetzt. Warum trifft das Buch den Nerv der Zeit? Warum sollte es unbedingt gelesen werden? Welche Fachkenntnisse nimmt man aus der Lektüre mit?
Die ausgewählten Titel decken kontroverse Sachverhalte wie die Energiewende ab, gehen auf innerdeutsche Aspekte wie die Aufarbeitung des Nationalsozialismus ein oder setzen sich fachkundig mit populären Themen wie dem Hollywood-Film auseinander. Erst jüngst begrüßte Walter Janson die Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert mit ihrer Streitschrift „Kampf um den Strom. Mythen, Macht und Monopole“, die Politikertochter Susanne Filbinger-Riggert mit ihrem sehr persönlichen Buch „Kein weißes Blatt. Eine Vater-Tochter-Biografie“ und die Kulturhistorikerin Christina Stanca-Mustea mit ihrer Biografie „Carl Lämmle. Der Mann, der Hollywood erfand“.
Einen verbindlichen Sendeplatz hat „besser lesen“ nicht. Walter Jansons Gesprächsrunden wurden zunächst am Freitagabend im Spätprogramm ausgestrahlt und sind heute in lockerer Folge am Mittwoch oder am Donnerstag um 23.45 Uhr zu sehen. Dieses Schicksal teilt „besser lesen“ mit einer ganzen Reihe von Kultursendungen. Mit seinen vermeintlichen Nischenthemen kann sich kaum ein Kunst- und Kulturmagazin zur Primetime behaupten. Doch wach bleiben lohnt sich für wissbegierige und kritische Leseratten auf jeden Fall.