In Berlin – der Film

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Bildquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Ballhaus

In Berlin von Michael Ballhaus und Ciro Cappellari ist mehr als ein Dokumentarfilm über Deutschlands Hauptstadt, er ist zugleich eine Hommage an eine vielfältige und aufregende Metropole. Der erstmals 2009 auf der Berlinale ausgestrahlte Film zeigt Berlin in seinem ganzen Facettenreichtum, wobei Politiker, Künstler sowie die Bewohner selbst zu Wort kommen und von ihrer Stadt berichten. Der Zuschauer wird eingeladen Deutschlands größte Stadt in einem ganz neuen und persönlichen Licht zu entdecken.

Als der schon für den Oscar nominierte Kameramann Michael Ballhaus von dem Rundfunksender RBB gefragt wurde, ob er einen Film über seine Heimat drehen möchte, überlegte er nicht lange, holte sich den Dokumentarfilmer und Grimme-Preisträger Ciro Cappellari an seine Seite und begann eine Reise von Neukölln bis Spandau. Auf diesem Weg erzählen unter anderem Bürgermeister Klaus Wowereit, Moderatorin und Journalistin Maybrit Illner und Schriftsteller Peter Schneider wie sie die Stadt erleben. Der Hauptaugenmerk liegt jedoch auf der Kunst- und Kulturszene und den alltäglichen Geschichten der Einwohner, welche von Zukunftsplänen, Träumen und den kleinen Freuden des Lebens handeln. Schauspielerin Angela Winkler lässt den Zuschauer an ihrem Alltag mit ihrer an Down-Syndrom leidende Tochter teilhaben, Musiker wie Alexander Hacke laden in ihr Studio und auf ihre Konzerte und Designerin Clara Leskovar lässt sich auf ihre Modenschau begleiten.

Ballhaus streift die negativen Seiten der Stadt, wie die abbruchreifen Gebäude und Fabriken sowie die sozialen Brennpunkte und die Reste einer ereignisreichen Vergangenheit, nur kurz. Seine Konzentration liegt auf einem Berlin, welches sich immer wieder neu erfindet, das den kreativen Köpfen aus aller Welt eine Plattform bietet und in dem es noch möglich scheint, seine Träume zu verwirklichen. In Verbindung mit der jungen Generation der Stadt, der Clubszene und den prominenten Einwohnern ist es dem Dokumentarfilm möglich, ein weit umspannendes Bild von einem kontrastreichen Ort zu zeichnen. Die Dokumentation bietet jedoch nicht nur einen äußerlichen Eindruck von einer multikulturellen und sich rasant verändernden Stadt, sondern auch einen Einblick in die Berliner Mentalität.

Mit einzigartigen Luftbildern auf die Weltstadt verschwimmen die Bezirksgrenzen und lassen die sonst so hektische Stadt ganz friedlich erscheinen. Immer wieder sprechen unkommentierte Filmszenen ganz für sich und geben dem Zuschauer die Möglichkeit, die Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Michael Ballhaus setzt dabei gekonnt Kontraste und verschiedene Perspektiven als Stilmittel ein, wodurch dem Film eine besondere Poetik verliehen wird. Es entsteht ein Gefühl von Hoffnung, von Aufbruchstimmung und Idealismus. Der Film ist eine Liebeserklärung, welche die einwohnerreichste Stadt der Bundesrepublik in einem ganz persönlichen Blickwinkel darstellt.