Kulturmagazine von dctp

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Bildquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Dctp

Mitte der 1980er Jahre entwickelte sich eine neue medienpolitische Grundhaltung gegenüber der Monopolstellung der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten in Deutschland. Um Meinungsvielfalt im Fernsehprogramm zu gewährleisten, setzte man auf die Einrichtung kommerzieller Programme. Diese Zulassung der wirtschaftlich orientierten Anbieter zog zunächst eine Erweiterung des Fernsehangebotes nach sich und im Zuge dessen wuchs auch das Bedürfnis nach neu produzierten Sendungen explosionsartig.

Jedoch konnten die neu gegründeten Anbieter nicht auf einen breiten Fundus an Sendungen zurückgreifen, geschweige denn zeitnah produzieren. Ihre Strategie sah vor, das kulturell und politisch orientierte Programm der Öffentlich-Rechtlichen regelrecht zu unterlaufen und auf die Produktion von Unterhaltungsprogrammen zu setzen. Aus dem anfänglichen Versprechen einer Etablierung von Meinungsvielfalt nachzukommen, entwickelte sich die deutsche Fernsehlandschaft der späten 1980er Jahre in Richtung Standardisierung und Vereinfachung.

Als bewusstes Gegenprogramm zu diesem Schematismus begründete der 1932 in Halberstadt geborene Filmemacher, Schriftsteller und 1956 promovierte Jurist Alexander Kluge das Konzept der Politik der Autoren im Privatfernsehen. Das Ziel des Autorenfernsehens bestand darin Räume – also Zeitfenster – zu schaffen, um dem Interesse der Zuschauer an Themenvielfalt nachzukommen. Kluge wollte mithilfe seiner Produktionsfirma dctp die Ausdrucksmöglichkeiten des Mediums Fernsehen erweitern und einen selbstreflexiven Umgang einfordern. Die Neugier des Fernsehzuschauers sollte dank anspruchsvoller und authentischer Programminhalte geweckt werden. Mit seinem viel zitierten Ausspruch: „Der Film entsteht im Kopf des Zuschauers“, verwies Kluge darauf, den Fernsehzuschauer nicht als Konsumenten, sondern als aktiven Rezipienten wahrzunehmen.

Alexander Kluge gründete seine Produktionsfirma Development Company for Television – kurz dctp – im Februar 1987 gemeinsam mit dem japanischen Werbekonzern Dentsu. Ein Jahr darauf trat der Spiegel-Verlag der dctp bei. Seitdem steuern Spiegel-TV, Stern, Süddeutsche Zeitung, Neue Zürcher Zeitung und BBC regelmäßig journalistische Programmsegmente bei.

Die von Kluge gestalteten Kulturprogramme weisen jeweils unterschiedliche Themenschwerpunkte und formale Ausdrucksmöglichkeiten auf. „10 vor 11“ gilt als das älteste Kulturmagazin im deutschen Privatfernsehen und ging am 2. Mai 1988 bei RTL auf Sendung. Während einer Sendelänge von 24 Minuten montierte Kluge Originaltöne aus Film, Literatur und Musiktheater mit dem Anspruch kompromisslosen Themen und authentischen Personen aus Kunst und Kultur – in Form von Interviews und Gesprächen – eine mediale Plattform zu bieten.

„News & Stories“ weist eine Sendelänge von 45 Minuten auf und wird im Spätprogramm auf Sat.1 ausgestrahlt. Inhaltlich orientiert sich die Kultursendung an Themen der Zeitgeschichte und Musik-Avantgarde, formal besticht sie dank einer zusammenhängenden, ruhigen Erzählform. Im Gegensatz dazu verfolgte „Prime-Time/ Spätausgabe“, die von 1990 bis 2008 wöchentlich bei RTL zusehen war, einen fragmentarischen Ansatz. Innerhalb von 15 Sendeminuten arrangierte Kluge kurze Interviews und ungewöhnliche Details aus Kultur und Geschichte zu einem Potpourri medialer Ausdrucksformen. Zuletzt verband Kluge im „Mitternachtsmagazin“, welches bis 2007 bei Vox zusehen war, fiktive und inszenierte Interviews mit realen Themen und appellierte somit an den Zuschauer, Medieninhalte stets kritisch zu hinterfragen.